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Der ersten schriftliche Nachweis des Froser Stiftes

Das älteste derzeit vorliegende Schriftstück ist eine mittelalterliche Abschrift der Gründungsurkunde, des Froser Stiftes. Deshalb fehlen Jahreszahlen, Unterschrift und Siegel. Diese Zuarbeit leistete der GR Dr.Dr. Rudolf Joppen kath. Pfarrer in Dessau am 23.Juni 1995.
Das Schriftstück (Abschrift) wurde durch ihn beschafft. Es stammt aus dem vatikanischen Archiv von der Botschaft der Republik Österreich beim Hl. Stuhl;
Roma / Italien; Via Reno 9.

   ...in nomine sancte et individue Trinitatis et sancte Dei genitricis perpetue virginis MARIE et
sancti Cyriaci necnon et omnium sanctorum.
Notum sit omnibus CHRISTI filibus tam praesentibus quam futuris,
qualiter ego Ludvicus divina favente clementia francie orientalis rex qualiter nos pro anime
nostre remedio vel peccatis nostris minuendis, pro salute scilicet nostre coniugis Hemma nec
non et pro stabilitate nostri regni in Frasa
Albustadi (Halberstadt) dioecesis pago suave fundamus cellam fratrum canonicorum.
Hec sunt autem que offermus parochiam in Frasa aedificiisque pratis pascuis agris in loco.
Et ut nostre munificentie donum firmum et stabile permanent,
hoc presens preceptum conseribi et anuli imressime signari iussimus,
quam et manum proria subtus firmavimus

//     Signum domni Ludvici magni et regis

//     Liutolfus cancellarius adricem Rodberti archicapellani recognovit et subscripsit.

     Data ...... aprilis anno Dominice incarnationis ....... indictirne ...... anno videlicet regni
serenissimi regis Ludevici .....
actum Northusam in CHRISTI nomine, feliciter

Amen.

Die Übersetzung oben- und nachstehender Urkunden erfolgte durch Hr. Christoph Schröter, Quedlinburg

Im Namen der hl. und unteilbaren Dreifaltigkeit und der hl. immerwährenden jungfräulichen
Gottesmutter MARIA und dem hl. Cyriakus sowie aller Heiligen.
Bekanntgegeben sei allen Christgläubigen den Gegenwärtigen wie den Künftigen,
dass ich, Ludwig, durch göttliche Gnade König von Ostfranken:
Wir gründen zum Heil unserer Seele und zur Verminderung unserer Sünden, auch für
das Heil unserer Gattin Hemma sowie für die Festigkeit unserer Herrschaft in Frose im Gaue
der Diözese Halberstadt gnädig eine Niederlassung von Kanonikerbrüdern.
Ihnen übergeben wir den Pfarrdienst in Frose mit Gebäuden, Wiesen , Weiden und
Äckern am Ort.
Und damit die Gabe unserer Großzügigkeit fest und stabil bleibe
haben wir befohlen dieses Schriftstück auszufertigen und mit unserem Siegel zu beglaubigen
und wir bestätigen es mit unserer Unterschrift .

//     Siegel des Herrn und König

//     Liudolfus Kanzler des (der Adria (?)) Erzkaplan Robert hat bezeugt und unterschrieben

Datum.......April im Jahre der Menschwerdung......erlaubt zur Anzeige......im Jahre
der allen bekannten Regierung der Gunst König Ludwig.....
aktenkundig zu Nordhausen in CHRISTI Namen, glückselig

Amen.

Bleibt festzuhalten 950 hatte Frose ein Kanonkerstift mit dem Schutzheiligen Cyriakus und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen Königshof. Wie sollten sonst die aufgezeigten Leibeigenen erklärt werden.
Auch ist in der Urkunde keine Neugründung beschrieben. Festgehalten dafür ist die Übertragung von Rechten an den Markgrafen Gero dem Stift Frose betreffend.

Die Urkunde CDA I Nr:34 und 35 dokumentieren die Gründung des Damenstiftes Gernrode und die Umwandlung und Unterordnung des Stiftes Frose. Bemerkenswert ist der Sachstand, dass in den Urkunden nur für Frose der Schutzheilige Cyriakus benannt ist. Logischerweise kann davon ausgegangen werden, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Verwaltung von Frose aus geführt wurde. Gernrode erhält 963 den Papstschutz und damit auch einen Cyriakusaltar (ohne Allodien).
Die Urkundensammlung "Codex Diplomaticus Anhaltinus"(CDA), die Otto v. Heinemann in den Jahren 1867 - 1883 erstellte, ist die für Frose eine sehr bedeutende Urkundenquelle.
Dieser Codex umfasst die Zeit vom 10. - 16.Jahrhundert. An dieser Stelle sollen nur die Urkunden des Froser Stiftes bis zur Neuordnung unter das Gernröder Stiftes eingegangen werden.
Die deutsche Überschrift der Urkunde 3 des CDA Band I lautet:

"Quedlinburg, 18. September 936 (937)
König Otto I. stiftet und dotiert das Servatius-Nonnenkloster in Quedlinburg, unter anderen mit den Gütern in Mülingen, Rieder, Frose und Siptenfelde."


Mit andern Worten das Froser Stift war in Betrieb und stützt damit die Aussage des oben aufgezeigten Dokumentes.
Die Urkunde 23 des CDA I lautet in der deutschen Überschrift
Memleben, 6. Dez. 950 (959). "König Otto I. schenkt dem von dem Markgrafen Gero gegründeten Mönchskloster Frose mehrere Güter in Hebanthorp und zwei leibeigene Frauen."

Die deutsche Fassung der Urkunde:
C. Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit Otto durch Gottes Gnade und Hilfe König.
Alle unsere Getreuen sollen erfahren, die Gegenwärtigen selbstverständlich auch die Künftigen, dass uns durch Anregung unseres lieben Bruders Bruno unserem Markgrafen Gero den Gebrauch der (geistlichen) Brüder im Stift, was
( ipse - der Herr -   nicht - „er“! )
der Herr (Ludwig der Deutsche) in Frose zu Ehren des hl. Cyriakus errichtet hat,
wir geben also einige Besitzungen aus unserem Eigentum im Nordschwabengau in der Grafschaft des vorgenannten Markgrafen in der Siedlung Habbendorf, was wir auch dort gegenwärtig besitzen an Landstücken, Gebäuden, Wiesen, Weiden, Wäldern, stillstehende und fließende Gewässer, Mühlen, bebautes und unbebautes Land, Verpachtetes und Zurückerhaltenes, Zugängliches und Unzugängliches, Erforschtes und Unerforschtes.
Ferner und zwei Schwestern (zwei leibeigene Frauen), Töchter eines gewissen Vuirici, von denen eine Osgert und die andere Frithugerd heißt, geben wir zum Eigentum mit ihren Söhnen.
Und das diesen auf Grund unserer Autorität fest und stabil bleibt, befehlen wir, dass dieser gegenwärtige Befehl unterschrieben wird und durch die Eindrückung unseres Siegelringes bekräftigt (beglaubigt) wird.

( L. S.)
Eigenhändige Unterschrift des Herren Königs Otto;
( L. M.)
Bruno Kanzler an Stelle des Erzkaplans Friedrich unterzeichnet
( S. R.)
Ausgestellt am 8. der Iden (?) des Dezember, im Jahre der Menschwerdung unseres Herren Jesus Christus 959, im 15. Jahr der Reg. Otto Glücklich fertig gestellt zu Memleben im Namen Gottes

Amen