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Wasserversorgung des Ortes Frose

Kurt Engmann

Vor über 100 Jahren war der weithin sichtbare Froser Wasserturm ein Zeichen des technischen Fortschritts. Seither gehört er mit seiner Höhe von etwas mehr als 28m und einem Durchmesser von ca. 7,70m zur Silhouette der Gemeinde Frose. Logischer Weise war das aber nicht immer so. Wasser ist eine der notwendigen Voraussetzungen für menschliche Siedlungen. Die erste bekannte Dorfstelle lässt sich durch zwei Begräbnisstätten beschreiben. Die Eine - das Gräberfeld in Richtung Hoym bildet die Steinkisten- und Hausurnenkultur der frühen Eisenzeit des 7.Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung ab. Die Zweite - Der ehemalige Friedhof nördlich des Angers, also Leopoldstraße - Schulstraße, beschreibt den ersten christlichen Friedhof der Sebastiansgemeinde. Daraus folgt, dass die dazugehörige Siedlung, das „Unterdorf“ Frose, sich auf der Fläche des heutigen Angers befand. Hieraus ergibt sich die Frage nach der Wasserversorgung dieser Siedlung, denn heute ist weder ein Brunnen noch ein fließendes Gewässer vorhanden. Ein Blick in die Vergangenheit zeichnet aber ein anderes Bild. Als „Mühle“ wird auch heute noch ein Wohnhaus an der tiefsten Stelle der Nachterstedter Straße bezeichnet. Eine Mühle in dieser Senke ist nur als wassergetriebene Anlage denkbar. (Die später errichtete Froser Windmühle stand am Rande des heutigen Tagebaurestloches unmittelbar neben den Gleisen.) Dies bedeutet, dass ein Wasserlauf in ausreichender Stärke und Kontinuität für den Betrieb vorhanden war. Dieser führte über die Mittelstraße mit der ehemaligen Gemeindebäckerei, Kreuzung Hoymer Straße, der Leopoldstraße über den Anger zum Bahnhofsgelände. Dort befindet sich auch heute noch mit 127,4 m (NN) der höchste Punkt des Ortes. Und genau an dieser Stelle war das Quellgebiet, welches die Siedlung mit dem lebensnotwendigem Nass versorgte. Aufklärung über diesen Sachverhalt gibt ein Bericht über ein Unwetter vom 13. Juni 1826. Darin steht geschrieben, so Lohse: „Nachdem es zuvor geregnet hatte, hagelte es dreiviertel Stunden lang. Der Wind hatte sich aufgemacht, er entwurzelte Bäume, Blitzstrahl und Donner gaben der Untergangsstimmung ihre besondere Färbung, Wasser über vier Fuß hoch drang ins Dorf, weichte die Häuser ein, dass dieselben zusammenstürzten, die Bewohner schrien um Hilfe, Pferde scheuten vor dem Strom, Wände, Steinmauern und große Obstbäume wurden umgeschlagen, Hausgeräte schwammen fort; Löcher, 7 bis 8 Fuß (ca. 2,40 m) tief und 16 bis 18 Fuß (ca. 5,40 m) breit entstanden und vieles Vieh ertrank.“ Die Leistung der Quellen und die Menge an Regenwasser überschritten um ein Mehrfaches das Fassungsvermögen des Wasserlaufes. Dieser Sachverhalt wurde bei der letzten Sanierung (2016) des Systems mit der Verringerung des Querschnittes des Wasserlaufes ignoriert. In den Jahren nach 1826 hingegen wurde zur Vermeidung einer Wiederholung eines solchen Unglücks ein Entlastungsgraben beginnend auf der Höhe des noch nicht existierenden Bahnhofs bis zur Straße „Hinter dem Dorf“ geführt und von dort in die See. In einem Lageplan aus dem Jahre 1860/65 ist dieser Sachverhalt dokumentiert. Im Zuge der Entwicklung des Ortes wurden über die Jahrhunderte zusätzlich eine Reihe von Brunnen angelegt, um die neu entstandenen Gehöfte mit Wasser zu versorgen. Eine konkrete Zahl ist aber nicht mehr nachvollziehbar. Einzelne noch heute bekannte Standorte sind: Der Bornwinkel in der „Neuen Reihe„, die Wasserstelle am OdF-Denkmal („Der Plan“) und die Pumpe gegenüber dem Feuerwehrgebäude. Mit anderen Worten - Wasser war hier immer in ausreichender Menge vorhanden und eine Bevölkerungsentwicklung, die einen Wassermangel verursachte, gab es nicht. In der Ortslage Frose sind heute noch Zeugnisse an reichem Grund- und Oberflächenwasser nachweisbar. Mit dem Beginn des Bergbaues veränderte sich dieser Sachverhalt dramatisch. Der Wasserspiegel sank stetig. Einzelne Brunnen waren im Jahre 1900 bis auf die Kohle getrieben worden und trotzdem konnte die Wasserbereitstellung für Mensch und Tier auf diesem Wege nicht mehr gesichert werden. Die einzige Lösung dieses Problems war der Bau einer Wasserversorgung für den gesamten Ort. Einer der ersten praktikablen Vorprojekte 1901/1902 waren die Erschließung eines Quellgebietes am Froser Berg in der Gemarkung Reinstedt. Diese Bemühungen scheiterten an dem Veto der Gemeinde Reinstedt. In einem späteren Gutachten wurde zudem festgestellt, dass dieses Quellgebiet im direkten Zusammenhang zum Wasserstand der Selke stand und somit ebenfalls die gewünschte Versorgungssicherheit nicht gewährleistet hätte. Es wurde die Suche nach einem stabilen Quellgebiet fortgesetzt. Schließlich und endlich wurde Wasser in ausreichender Qualität und Menge am Ortsausgang in Richtung Königsaue gefunden. Mit der Sicherung der Finanzierung begann der Bau der Pumpstation, des Wasserturmes sowie des dazugehörigen Leitungssystems. Dieses Projekt wurde 1906 abgeschlossen und in Betrieb genommen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 114 000,00 Mark. Bereits 1909 bekam die Stadt Aschersleben Probleme mit ihrer Wasserversorgung. Eine langwierige Suche nach den geeigneten Wasservorkommen sowie zäher Verhandlungen zur Errichtung der technischen Anlagen, Wasser- und Steuerrechte der beteiligten Städte und Gemeinden errichteten die Anhalter Kohlenwerke 1912 in ihrem Tagebau in Frose ein Wasserwerk. Sie hatten sich vertraglich verpflichtet nur das aus dem Berg tretende Oberflächenwasser zu fördern. Dem entsprechend waren die Quellenfassungen ausgelegt. Aber die in den Folgejahren errichteten Brunnenbauwerke sprechen eine andere Sprache. Seitens der Gemeinde Frose wurde 1934 der Versuch unternommen, einen neuen Vertrag außerhalb eines Rechtsstreites zu erreichen. Ein diesbezüglicher Erfolg schien nach der Machtergreifung A. Hitlers auf Grund von Veränderungen im Staats- sowie Rechtsgefüge aussichtsreich. Am Ende der Bemühungen musste die Gemeinde Frose jedoch den Fehlschlag ihres Vorhabens erkennen. In der Zeit des Dritten Reiches erlangte die Wasserversorgung aus dem Wasserwerk Frose eine strategische Bedeutung und wurde entsprechend ausgebaut. Noch bis in die 60er Jahre des 20sten Jahrhunderts versorgte dieses Wasserwerk die Orte Frose, Nachterstedt, Hoym, Königsaue, und einen Großteil der Stadt Aschersleben. Dies blieb natürlich nicht ohne Streitigkeiten, weil die Auffassungen bezüglich der Nutzungsrechte unterschiedlicher Betrachtungsweisen unterlagen. Nachdem die Wasserversorgung mit der Inbetriebnahme der Rappbodetalsperre systematisch ausgebaut wurde, verringerte sich im gleichen Maße die Bedeutung des Wasserwerkes Frose. Der Zahn der Zeit leiste ebenso wie der gestiegene Wasserverbrauch daran seinen Anteil. Bis zum Ende der DDR und dem geplanten Abbau des Kohlevorkommens unter Frose wurde der Betrieb mehr schlecht als recht für die Gemeinde aufrecht erhalten. (Frose wurde 1980 Bergbauschutzgebiet und sollte ab 1995 schrittweise überbaggert werden.) Mit der Aufgabe des Bergbaus in Nachterstedt, wurde auch der geplante Abbau der Froser Kohle aufgegeben und es erfolgte kurzfristig die Anbindung an das Rappbodenetz. Die dadurch veränderten Druckverhältnisse in dem Froser Netz mit seinem gusseisernen Rohrmaterial hatten eine Reihe von Störungen zur Folge. Dies machte eine umgehende Erneuerung des gesamten Netzes notwendig. In diesem Konzept wurde ein Wasserturm nicht mehr benötigt. Für seinen Erhalt hatten sich große Teile der Bevölkerung eingesetzt. Er wurde im Laufe der Jahre saniert, und ist weithin in der Silhouette des Ortes als technische Denkmal zu sehen. Das Froser Tagebaurestloch wurde als Objekt zur Wasserhaltung im Juni 1993 endgültig aufgegeben. In den darauf folgenden Jahren wurde eine entsprechende bergmännische Sanierung realisiert und abgeschlossen. Heute erfreuen sich an dem entstandenen See die Angler und eine Reihe von Badelustigen.