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Das Klassentreffen

Kurt Engmann       Budapest, April 1996

Ein Klassentreffen ist sehr schön, weil sich Freunde wiedersehen.
In Krauses schönem großen Garten soll nun mal die Sause starten.
Selbst die Sonne meint es gut und drückt gewaltig auf den Hut;
so daß ein jedermann hier unverschuldet schwitzen kann.
Der Durst ist groß, der Hunger klein, wer wird als erster unterm Tisch wohl sein.
Und so kommt´s wie´s kommen muß, nur der harte Kern hält bis zum Schluß.
Jetzt wird es dunkel, die Luft ist lau und stärker wird auch der Radau.
Auf einmal Stille - wer? warum?- ach, eine Idee geht um.
Wißt ihr, wie vor 30 Jahren, als wir noch fast Kinder waren, manchen Blödsinn so betrieben
und niemand hat es aufgeschrieben.
Wer schafft es heute noch auf einen Baum? Wohl keiner mehr - man glaubt es kaum!
Ein Pflaumenbaum, der dort stand, wurde von Felix als solcher noch erkannt.
Es kann nicht sein, es muß doch gehen, ich werde jetzt die Welt von oben sehen.
Mit Schieben und mit Drängen ließ er in den Baum sich zwängen.
Als er oben angekommen, ward't ihm aber arg beklommen.
Ich will runter, helft mir gleich, meine Knie, sie werden weich.
Was nun tun, was soll man machen, eigentlich ist das Ding zum Lachen.
Von dem Getöse aufgeschreckt Nachbars Frau die Neugier weckt.
Schnell auf den Balkon hinaus, steht sie da und schauet aus.
Als ihr Mann sie dort erblickt, denkt er nur, jetzt wird´s verrückt,
denn er sieht sein Weib dort oben, sie ist barfuß angezogen.
Zurück mit dir, es wird schon gehen, du kannst vom Zimmer auch noch sehen.
Was sie beide nun erblicken, ist so unglaublich, man muß sich zwicken.
In des Nachbarn Gartens Baume sitzt nun da die große Pflaume.
Alle Ideen sind genehm, nur eine Leiter nicht, dies wäre zu bequem.
Man schüttelt, schiebt und zerrt, doch Felix ist vor Angst erstarrt.
Was hilft´s, man muß halt Opfer bringen und den bösen Baum bezwingen.
Mit Axt und Säge dann greifen sie den Baum jetzt an.
Ein Fuchsschwanz klein und fein wandert nun ins Holz hinein.
Da wird von links gesägt; da wird von rechts gesägt bis das der Baum sich doch bewegt.
Mit lauten Krach und Bumm fiel der Baum dann schließlich um.
Felix unterdessen, der voll Angst im Baum gesessen,
liegt nun da mit großen Augen und will gleich an der Flasche saugen.
Die Angst ist weg, der Schreck vorbei und weiter geht die Feierei.
Am nächsten Morgen, noch ganz benommen, sieht man Krause in den Garten kommen.
Was er dort sieht, er glaubt es kaum. Er hält es schlicht für einen Traum.
Gemäß dem Wunsch der letzten Sieben, wurde die Geschichte aufgeschrieben.
Nur die Namen, die hier benannt, sind in Wahrheit unbekannt.