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Ilse Bilse keiner will se'

Kurt Engmann       Frose,     November 2002

Fräulein Ilse hatte die neunundzwanzig drei viertel um „einige“ Jahre knapp überschritten, als sie eines Morgens beim Aufstehen heftige Schmerzen unterhalb des Bauchnabels verspürte.
Es halfen weder Heizkissen noch heißer Tee.
Also wurde der notwendige Gang zum Arzt mittels waschen, Zähne putzen, dem Anziehen sauberer Wäsche und die Montage einer blonden Perücke sowie etwas Rouge und Deo vorbereitet.
Nach Abschluss dieser Arbeiten machte sich Ilse auf den Weg zu ihrem Hausarzt, der schon etwas betagt war, dem sie aber seit ihrer frühesten Jugend vertraute.
Hätte er sie damals haben wollen, dann wäre sie jetzt Frau Doktor und nicht Fräulein Ilse die Einsame.
Sie musste sich im Wartezimmer eine ganze Weile gedulden bis sie mit ihrem Leiden an der Reihe war.
Ihr Doktor hörte sich die Beschwerden an und hatte auch noch so manches freundliche Wort. Er verabsäumte es auch nicht, sich nach dem Befinden Ihrer in der Zwischenzeit erwachsenen Tochter zu erkundigen.
Nachdem alles Notwendige getan und gesagt war, nahm er den Rezeptblock und kritzelte etwas Unleserliches darauf.
Weil sie nach wie vor Schmerzen verspürte und die Apotheke am Weg lag, wollte sie das Rezept selbst einlösen und nicht auf den Apothekendienst warten. Nach wenigen Minuten Weg war sie an der Apotheke angekommen. Diese stand bereits viele Jahre unter Denkmalschutz und der Besitzer hatte viel Mühe, um zumindest den heutigen Standard gegenüber der Denkmalpflege durchzusetzen.
Ilse betrat über eine Treppe mit gusseisernem Geländer den Verkaufsraum. Sie legte ihr Rezept auf den Thresen und harrte der Dinge, die da kamen.
Eine junge freundliche Apothekerin nahm sich ihrer an. Sie holte die Medizin und erklärte Ilse deren Handhabung.
Diese war nur mit sich beschäftigt und hörte der jungen Frau nicht zu. Als sie die Medizin in die Tasche steckte, murmelte sie nur „ja – ja“. Sie dachte bei sich:
„So ein junges Ding garantiert jünger als meine Tochter und meint mir etwas erklären zu müssen.“
Zu Hause angekommen nahm Ilse die Perücke ab und zog sich ihre Hauskleidung an. Danach begab sie sich in die Küche und setzte Wasser auf den Herd, um sich einen Fencheltee zu brühen. Nachdem der Tee gezogen und etwas abgekühlt war, holte sie ihre Medizin, nahm sie und spülte mit etwas Tee nach.
Daran anschließend schaltete sie sich ihr Fernsehgerät ein und legte sie sich auf ihr Sofa, sah sich einen Heimatfilm an und hoffte auf das Nachlassen der Schmerzen.
Innerhalb der nächsten Stunde wurden die Schmerzen anstatt schwächer immer stärker.
Sie hatte auch den Eindruck, dass sich die Schmerzen jetzt auch oberhalb des Bauchnabels ausbreiteten.
Daraufhin stand sie auf, ging in die Küche und versorgte sich nochmals mit ihrer Medizin. Die notwendige Ruhe zum Fernsehen war dahin und sie schaltete das Gerät aus.
In der folgenden Stunde verspürte sie zu den Schmerzen noch eine immer stärker werdende Übelkeit, so dass sie die Nachbarin, die wenige Minuten zuvor von einem Großeinkauf zurückgekehrt war, um Hilfe bat.
Als die Nachbarin Ilse vor sich sah, erschrak sie über deren Aussehen.
Sie informierte umgehend den Notdienst. Dieser beförderte Ilse sofort in das nächst gelegene Krankenhaus. In der ersten Untersuchung wurde eine Vergiftung diagnostiziert. Und damit das dafür übliche Verfahren, beginnend mit Magen auspumpen, in Gang gesetzt.
Anschließend bemühte sich der behandelnde Arzt mit der Ursachenforschung.
Ilse wurde befragt und schnell stellte sich heraus, dass ein Selbstmordversuch ausschied.
Aber es war ohne Zweifel eine Vergiftung. Ilses Medizin wurde herbeigeschafft.
Als der behandelnden Arzt die Packung in der Hand hielt, traute er seinen Augen nicht.
Ilse hatte Zäpfchen mit "leckerem" Fencheltee zu sich genommen.
Selbst das riesengroße „V“ für vaginal hatte sie von ihrem Handeln nicht abbringen können.