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Benno & die Wühlmäuse

Kurt Engmann       Frose,     Januar 2001

Bill Ramsey sang einmal den Schlager von Adelheid und dem Gartenzwerg.
Dort gab es eine Textstelle ......mit Blumenkohl und Kopfsalat ... wer so einen Garten hat
fühlt sich wohl in der Stadt... . Benno lebte zwar auf dem Lande, aber sein Dorf hatte ein eigenes Flair.
Begnügten sich die Frauen der Nachbarorte mit einem Tuch als Kopfbedeckung, so gab es hier nur Damen und diese trugen einen Hut.
Aber auch hier waren die Leute bis in die 60iger 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts zufrieden, wenn sie einen Garten ihr eigen nennen durften. Für Einzelne war der Garten ihre Leidenschaft.
Um so ärgerlicher war es, wenn Dritte ungebeten und ungefragt die Ernte vornahmen oder anderes Ungemach hereinbrach.
Benno packte seit geraumer Zeit ein unwohles Gefühl, wenn er an seinen Garten dachte. Jedes Mal erlebte er eine Überraschung.
Einmal waren die Tulpen verschwunden; ein andermal die jungen Kartoffeln angehoben. Auf einmal welkten 3 Erdbeerpflanzen. Sie hatte den Winter gut überstanden und jetzt das.
Als sich noch 4 Salatpflanzen verabschiedeten, begann eine aktive Ursachenforschung.
Das Ergebnis -- Engerlinge -- !
    Das sind die Biester, die sich später Maikäfer nennen
    und in diesen Jahren so manches mal zur Plage wurden.
Als Benno auf Grund dieses Erfolges nun gut gelaunt in seinen Garten kam, wollte er seinen Augen nicht trauen.
Der zwei Jahre alte Apfelbaum war welk und stand auf halbacht. Was war geschehen?
Der anwesende Nachbar meinte lapidar: „Sieh hier bei mir hat es die Kirsche erwischt.
Das waren Wühlmäuse! Deine Tulpen und die Kartoffel kommen auf das gleiche Konto.“
Am anderen Tag erzählte Benno auf Arbeit von dieser Tragik.
Nun konnte er sich vor gut gemeinten Ratschlägen kaum noch retten.
Nach der Mittagspause zog ihn ein Kollege zur Seite und drückte ihn ein gut verschnürtes und trotzdem stark riechendes Päckchen mit der Bemerkung in die Hand:
„Karbid“ – mein Lieber – das hilft! Ich hatte das gleiche Problem. Jetzt habe ich Ruhe!
Glücklicherweise stand das Wochenende vor der Tür und so konnte Benno tags darauf zur Tat schreiten.
Als er in seinem Garten angekommen war, begann es zu regnen.
Auch gut dachte er bei sich, da bekommt wenigstens keiner mit, was ich hier treibe.

Die Tötungsaktion ist ganz einfach:

1.     Die Gänge der Wühlmäuse suchen und öffnen.
2.     Ein Stück Karbid in den Gang schieben.
3.     Wasser darauf gießen und verschließen.
4.     Eine Stunde warten.
5.     Das war´s !

Als Benno nun alles erledigt hatte und sich in der Warteschleife befand, kam ihn in den Sinn wofür Karbid normalerweise verwendet wurde.
Karbid und Wasser das ergab doch außer Karbidschlamm, der für Mauerarbeiten bestens geeignet war, noch Azetylen.
Das war doch ein Gas, welche zum Schweißen benötigt wurde.
Er erschrak!
Das Zeug ist doch brennbar ja explosiv, dachte er bei sich.
Wenn nun hier ein Raucher vorbei kommt und seine Zigarette wegwirft, dann knallt es möglicherweise und zwar kräftig.
Diese Gedanken erzeugten ein massives Unwohlsein in der Magengegend. Das Heft des Handelns gebe ich nicht aus der Hand, dachte er bei sich.
Es wird wohl das beste sein, ich zünde selbst. Es wird eine Stichflamme geben und das war´s.
Eine Stichflamme kann aber ganz schön groß werden, dachte er bei sich.
Es ist wohl besser, ich baue eine elektrische Zündung auf. Damit setze ich mich in meine Laube.
Das ist meine Sicherheit!!
Gedacht – getan!
Benno saß in seiner Laube vor ihm sein außerirdisch anmutendes Zündgerät und los ging´s.
10..9..8..7.........0     Zündung!
Ein so nicht erwarteter Knall ließ ihn zusammenzucken.
Was musste er sehen, als er seinen Kopf wieder hochnahm.
Der Garten war wie frisch gepflügt. Der Hauptweg der Gartenanlage war zerstört.
Das dieser einen Meter hochgeflogen war, hatte er ja noch mitbekommen.
Aber was war mit Nachbars Laube?
Die sah ja aus wie ein Faltkarton!
Und er hatte sich in seiner Laube so sicher gefühlt!