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In diesem Beitrag soll der Versuch unternommen werden, derzeit vorliegende Dokumente und Erkenntnisse in
ein schlüssiges Bild zu fügen und Anregungen für eine weitere Forschungstätigkeit zum Thema Markgraf Gero
und Frose zu geben.
Die allgemeinen Geschichtsdarstellungen zu seiner Person zeigen, er war ein Machtmensch und ein Getreuer
seines Königs Otto I.
Bekanntermaßen schenkte Otto I. Gero das Stift Frose im Jahre 950. Dieses war zu jener Zeit mit
Cyriakuskanonikern besetzt. Es erhebt sich die Frage, welches Interesse Gero mit diesem Besitz verfolgte.
Anscheinend sorgte er sich frühzeitig um die Zukunft seiner Söhne.
Es liegt die Vermutung nahe, dass er als Erbteil für seinen Sohn Siegfried die Besitzungen in Gernrode
angedacht hatte. Für seinen zweiten Sohn Gero, der sich in einer geistlichen Ausbildung befand,
hingegen den Platz als Abt in Frose vorsah.
Diese oder ähnliche Pläne konnten durch den Tod beider Söhne nicht Realität werden. Im Gegenteil,
das Geschlecht Geros starb mit dessen Ableben aus.
Mit der Schenkung des Stiftes Frose an Gero 950 ergeben sich Fragen, die nicht nur durch eine materiell
begründete Antwort befriedigt werden können. Aus der Urkundenlage geht hervor, dass weder der vermutete Königshof
noch die Vogtei Teil der Schenkung an seine Person waren. Ein solche Sachstand sagt aber nichts über mögliche
Vogteirechte Geros in Frose aus.
Das Schriftstück, welches die Gründung des Stift Frose durch Ludwig des Deutschen zum Inhalt hat, dokumentiert,
dass der Hl. Cyriakus der Schutzheilige der Königsfamilie des Ostfrankenkönigs war.
Mit dem Aussterben dieses Geschlechts sank auch die Bedeutung derer Heiliger, denn die Ottonen benötigten diese
offensichtlich nicht. Für Gero hingegen kann ein Interesse unterstellt werden. Mit der Zuwendung zu diesem Heiligen
bekundete er in das Erbes des Geschlechts der Franken einzutreten. Über diesen Weg wäre er zumindest
symbolisch Teil einer Königsfamilie und damit verbunden die Aufwertung seines Geschlechtes.
Dies wäre auch eine Erklärung für seine Bemühungen den 961 dokumentierten Cyriakusaltar in Frose auch in Gernrode
einzurichten. Unter diesem Gesichtspunkt wäre die Reise nach Rom (außer der Sicherung seines Nachlasses),
um den Papstschutz für das Stift Gernrode zu erhalten, sinnvoll begründet.
Es bleibt für das Wirken des Markgrafen Geros festzuhalten:
950 wurde ihm durch Otto I. das Kanonikerstift Frose übereignet. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit begann zeitgleich
der Aufbau des Komplexes in Gernrode. Mit der Unterstellung des Stiftes Frose unter Gernrode 961 erfolgte auch
die Umwandlung zum Damenstift.
Die Aussage in verschiedenen Schriften, das Gero einen Teil des Unterarmknochens aus Rom geholt haben soll
erscheint fraglich, denn die Gebeine des Hl. Cyriakus wurden in der Zeit Ludwig des Deutschen nach
Worms (Neuhausen) geholt. Teilstücke der Gebeine können also nur von dieser Stelle als Reliquie in
die Neugründungen Ludwig des Deutschen verbracht worden sein.
Es erscheint aus heutiger Sicht als wahrscheinlich, dass der in Frose vorhandene Partikel zur Einrichtung
des Cyriakusaltars in Gernrode geteilt wurde.
Mit dem Tod des Markgrafen muss aus der Sicht des kanonischen Rechtes sowie der Festlegungen durch
Ludwig dem Frommen zu den Pflichten und Rechten von weiblichen Insassen der „Reichsklöster“ mit den
notwendigen Umbauten und die Einrichtung des Stiftes Gernrode sowie des Stiftes in Frose bereits abgeschlossen
gewesen sein, denn ansonsten wäre ein Stiftsbetrieb nicht möglich gewesen.
Für Frose gilt.
Es sind dringend vorhandene Veränderungen aus jener Zeit an und im Kirchengebäude darzustellen und zu sichern,
damit auch künftige Untersuchungen noch eine Basis finden, um weitere Mosaiksteine in dieses
unvollkommene Bild zu fügen.