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Der Froser Braunkohlenbergbau

Kurt Engmann


AKW-Frose um 1900 ==> weitere Ansichten

Obwohl der Braunkohlenbergbau am Rand des Ortes nur etwa 100 Jahre zurückliegt und starken Einfluss auf dessen Entwicklung hatte, sind die Erinnerungen an das Geschehene doch stark verblasst. In diesem Beitrag soll der Versuch unternommen werden, die damaligen Ereignisse etwas aufzuhellen.
An dieser Stelle möchte ich meinen Dank für die Unterstützung durch Mitglieder des Bergmannsvereins Nachterstedt aussprechen. Sie haben durch ihre Zuarbeit die Gestaltung dieser Seite erst möglich gemacht. Lesern, die mehr über den Braunkohlenbergbau im Revier Nachterstedt erfahren möchten, empfehle ich das Buch des Bergmannsvereins „Nachterstedt – Beiträge zur Bergbaugeschichte im Braunkohlenrevier Aschersleben–Nachterstedt“.
Die voranschreitende industrielle Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts forderte in immer stärkeren Maße die Bereitstellung von Energie. Die Suche nach Lagerstätten von Kohle und anderen Rohstoffen war allgegenwärtig. So rückte auch Frose in das Blickfeld der „Schatzsucher“.
Dokumente der Jahre 1842-1843 der Regierung des Herzogtums Anhalt-Bernburg belegen erste Bohrung sowie die Feststellung einer Braunkohlelagerstätte bei Frose. Aber erst 1852 bemühten sich verschiedene Antragsteller aus den umliegenden Orten das Prozedere einer Mutung anzugehen. Dieses Ansinnen wurde durch die Behörde abgelehnt. Eine Begründung hierfür ist im Bergrecht zu vermuten. Verlangt es doch, dass ein Muter sich als ein bergbauwilliges Unternehmen darstellt und die notwendigen Voraussetzungen abbilden kann. Denn mit der Vergabe der Mutung erhält der Muter auch einen Rechtsanspruch auf Verleihung des Bergwerkseigentums. Damit wird seine Handlungsfähigkeit gegenüber Dritten hergestellt. Ausgenommen davon sind Ansprüche gegenüber der Behörde.
Bereits in ihrer Gründungsphase wurde der Froser Braunkohlen-Bergbau-Aktiengesellschaft am 15.09.1867 das Mutungsfeld namens „Grube Ludwig“ übereignet. Ein dreiviertel Jahr später am 14.12.1868 begannen die Aufschlussarbeiten mit dem Abteufen eines Schachtes. Nach seiner Fertigstellung erhielt er die Bezeichnung „Freischacht“.
In den darauf folgenden zwei Jahren (1869/70) wurden mehrere Versuche zum Niederbringen von Schächten unternommen. Sie scheiterten alle an der heterogenen Strukturen des Deckgebirges besonders aber an den Einlagerungen von Schwemmsand. Erst die Teufung eines Schachtes mit der Bezeichnung Schacht-1 vom Juli bis Oktober 1870 war mit dem Erreichen des Kohleflözes erfolgreich. Dieser war ein Funktionsschacht für die Wasserhaltung und wurde auf dem Lageplan mit dem Kürzel (WH) versehen. Förderschächte wurden auf den Plänen mit einem (F) und Wetterschächte mit einem (W) gekennzeichnet.
Im Januar 1871 begann die regelmäßige Kohleförderung sowie deren Vertrieb.
Ende Juli 1872 erfolgte der Bau des Anschlussgleises zum Bahnhof Frose.
Der Kohleabbau entwickelte sich über die Zeit und erreichte 1875 eine Fördermenge von 86.750t.
Ein schweres Grubenunglück am 01.07.1876 brachte die Kohleförderung zum Erliegen. Durch einen Blitzschlag wurden die Tagesanlagen in Brand gesetzt und alle Einrichtungen über Tage vernichtet. Für 29 Bergleute kam jede Hilfe zu spät. Sie verloren ihr Leben. „Schacht Wilhelm“, der als Ersatz geteuft wurde, ging am 06.11.1877 durch einen Schwemmsandeinbruch verloren und vernichtete das Leben dreier Bergleute. Durch diese Ereignisse fehlten der Froser Braunkohlen-Bergbau-Aktiengesellschaft die notwendigen finanziellen Handlungsspielräume. Es erfolgte deshalb im November 1877 deren Liquidation.
Der Bergbau wurde trotzdem weiter geführt und im Zeitraum Ende 1877- Anfang 1878 der Schacht-2 geteuft. Es gelang im verbleibenden Jahr noch 60.000t Kohle zu fördern.
Am 23.04.1879 wurde die „Grube Ludwig“ an den Generalkonsul Spiegelthal verkauft. Damit verbunden war eine Umbenennung in „Zeche Anhalt“. Trotz dieser Umbenennung wurde auch in späteren Dokumenten der Begriff „Grube Ludwig“ weiter verwandt. Im Verlaufe des Jahres 1881 erfolgte der Aufbau der ersten anhaltische Brikettfabrik.


Brikett-AKW-Frose ==> weiteres Bild

Der zusätzliche Bedarf an Rohbraunkohle wurde durch die Pferdeförderung im Untertagebetrieb sichergestellt. Mit dieser Technologie konnte die Förderung auf das Siebenfache gesteigert werden. Diese Investitionen gingen einher mit der Umwandlung der Zeche Anhalt in die „Anhaltischen Kohlenwerke AG“ (AKW). Die Kohleförderung verstetigte sich und erreichte 1888 eine Menge von 277.000t.
Den Fortgang der Entwicklung zeigte der Aufschluss des Froser Tagebaus 1891.


Tagebau-Frose==> weiteres Bild

Die verwendete Abbau-methode erscheint aus heutiger Sicht zumindest etwas eigenwillig, wenn nicht gar unverständlich. Nachdem ein tiefes bis unter das Kohleflöz rei-chende Loch ausge-hoben wurde, erfolgte die Kohlegewinnung im soge-nannten Stoßschurrenbau. An die Wände des Loches wurden Leitern angelegt. Arbeiter bestiegen diese und brachen von oben her die Kohle. Diese fiel auf die Sohle, wurde dort aufgenommen und über die Kohlenbahn, einer schiefen Ebene, zu den Tagesanlagen befördert.
In der noch immer so betitelten Grube Ludwig, also im Tiefbau, ereignete sich am 27.12. 1892 ein bedeutender Liegendwasser-Einbruch. Sein Zulauf betrug 20m3/min. Bis Mitte Januar 1893 stand die Grube bis zur Sohle 3 unter Wasser. Ein erneute Wassereinbruch ereignete sich im Juli gleichen Jahres mit einem Zulauf größer 15m3/min.
Mit dem Aufbau einer Schwelerei zur Koks- und Teerproduktion wurde 1895 – 1896 die Produktpalette erweitert.
Bemerkenswert für das Jahr 1896 erscheint die Dokumentation einer maximalen Abraumbewegung von 1,5 Millionen m³.

Bis 1900 beträgt die jährliche Fördermenge an Kohle 240.000t. Diese teilten sich auf in 200.000t Tagebau- und 40.000t Tiefbauleistung.
Aufgrund der bestehenden Trinkwasserknappheit in den umliegenden Orten, verursacht durch den Bergbau, steigende Bevölkerungszahlen und steigenden Industriebedarf wurde 1911 im Froser Tagebau ein Wasserwerk errichtet.
1913 erfolgt die Übernahme der „Grube Ludwig“ der AKW durch die Concordia Nachterstedt. Damit verbunden war eine Namensänderung in „Grube Clara“.
1914 war die Lagerstätte soweit erschöpft, dass die Kohleförderung im Froser Revier eingestellt und die Schächte verfüllt wurden.
Zeitgleich, also 1914, begann die Verlegung der Bahnstrecke Frose - Gatersleben. Dieses Vorhaben wurde 1916 abgeschlossen. Seither existiert die heutige Trassenführung.
1925 wurde der 1913 geschlossene Pachtvertrag mit der „Grube Ludwig“ durch einen Kaufvertrag ersetzt und damit ein Eigentümerwechsel vollzogen. Neuer Besitzer war ab diesem Zeitpunkt die Concordia Nachterstedt. Diese stellte mit dem Besitzwechsel die Brikettproduktion in den Froser Anlagen ein.
Die Schwelerei stellte 1936 die Produktion ein und wurde abgerissen. An ihrer Stelle errichtete der IG-Farben Konzern einen Anlagenkomplex, der wiederum 1945 durch die Alliierten demontiert wurde.